Ergebnisse Mitgliederbefragung: Was Dietzenbacher Betriebe wirklich brauchen
Der Gewerbeverein Dietzenbach hat im Februar 2026 seine Mitglieder befragt: Wie groß ist der Bedarf an zusätzlichen Gewerbeflächen? Was sind die wichtigsten Standortkriterien? Und welche Unterstützung wünschen sich die Betriebe?
19 Unternehmen haben im Teilnahmezeitraum teilgenommen und ein klares Bild gezeichnet.

Die Umfrage richtet sich an das Rückgrat der Dietzenbacher Wirtschaft: 95 % der Teilnehmenden haben ihren Sitz in Dietzenbach, die überwiegende Mehrheit sind kleine und mittlere Betriebe mit 2 bis 10 Mitarbeitenden. Handwerk und Dienstleistung stellen jeweils 42 % der Befragten, die restlichen 16 % verteilen sich auf Handel, Produktion und Gastronomie.
Mehr als ein Drittel der Betriebe braucht mehr Platz
Die Kernfrage der Umfrage: Besteht aktuell oder perspektivisch Bedarf an zusätzlichen Gewerbeflächen? 26 % der Befragten antworten mit „Ja, aktuell“. Weitere 11 % sehen mittel- oder langfristigen Bedarf. Nur gut die Hälfte meldet keinen Bedarf, 10 % sind noch unsicher.

Das klingt nach einer Minderheit. Aber wer diese Zahl in den Kontext der Dietzenbacher Wirtschaftsstruktur setzt, versteht die Tragweite: Wenn Handwerksbetriebe und Dienstleister keinen passenden Platz finden, weichen sie ins Umland aus oder stagnieren am aktuellen Standort. Beides kostet die Stadt Arbeitsplätze und Steuereinnahmen.
Der Bedarf ist oft kurzfristig
Von denjenigen, die Flächenbedarf angeben, brauchen 63 % die Fläche innerhalb des nächsten Jahres. Nur 25 % planen langfristig. Das bedeutet: Für viele Betriebe ist das kein abstraktes Zukunftsthema, sondern eine konkrete Herausforderung, die jetzt gelöst werden muss.

Werkstatt und Lager gefragt, keine Produktionshallen
Bei den Flächenarten zeigt sich ein klares Bild: Werkstatt- und Handwerksflächen sowie Lagerflächen werden von je 40 % der Betriebe mit Bedarf genannt. 30 % suchen Flächen mit kombinierten Nutzungsmöglichkeiten, nur 20 % benötigen reine Büroflächen. Produktionsflächen spielen so gut wie keine Rolle.

Das passt zum Profil der teilnehmenden Betriebe: Handwerker brauchen Werkstätten, keine Verwaltungsgebäude. Dienstleister brauchen Lager für Material und Fahrzeuge, keine Montagehallen.
Gefragt sind Einheiten zwischen 250 und 500 Quadratmetern
Die Hälfte der Betriebe mit Flächenbedarf sucht zwischen 250 und 500 m². 20 % kommen mit unter 100 m² aus, weitere 20 % benötigen zwischen 500 und 1.000 m², und ein Betrieb sucht über 1.000 m². Niemand hat seinen Bedarf als noch nicht abschätzbar angegeben.

Das sind keine Großinvestitionen. Gefragt ist kein neues Industriegebiet, sondern überschaubare, flexible Einheiten, die sich in bestehende Strukturen integrieren lassen.
Die Betriebe wollen in Dietzenbach bleiben
50 % der Befragten würden einen Standort innerhalb Dietzenbachs bevorzugen, auch wenn er teurer wäre als im Umland. Nur 21 % lehnen das ab, für 29 % ist die Frage nicht relevant.

Das ist kein selbstverständliches Ergebnis. Standorttreue kostet Geld. Wer bereit ist, für den Verbleib in Dietzenbach mehr zu bezahlen, sendet ein klares Signal: Diese Betriebe wollen hier wachsen, nicht irgendwo anders.
Was den Betrieben bei der Standortwahl wichtig ist
Gefragt nach den wichtigsten Kriterien bei der Standortwahl, landet die PKW-Verkehrsanbindung ganz oben. Danach folgen Parkmöglichkeiten, die Nähe zu Kunden und Lieferanten sowie Erweiterungsmöglichkeiten am Standort. Der ÖPNV-Anschluss wird zwar als relevant, aber nachrangig bewertet.

Für Handwerker und Dienstleister mit Außendienst, Kundenbesuchen und Warenlieferungen ist das nachvollziehbar: Der Transporter muss ankommen und wieder wegfahren können.
Wirtschaftsförderung ist gefragt, aber muss aktiver werden
53 % der Betriebe wünschen sich grundsätzlich eine Zusammenarbeit mit der Wirtschaftsförderung Dietzenbach bei der Flächensuche oder -entwicklung.

Noch deutlicher wird der Wunsch nach konkreter Unterstützung: 80 % der Unternehmen mit Bedarf wünschen sich Beratung zu Fördermitteln, 70 % Hilfe bei der Flächensuche, 60 % Unterstützung bei Genehmigungsverfahren. Nur die Vernetzung mit anderen Betrieben wurde von niemandem als Bedarf genannt.

Ein Teilnehmer brachte es in den Freitextantworten auf den Punkt: Die Wirtschaftsförderung solle „aus ihrem Elfenbeinturm kommen“ und die lokale Wirtschaft aktiv unterstützen, statt sich auf Großansiedlungen zu konzentrieren, während mittelständische Betriebe mit vielen Mitarbeitenden und lokaler Wertschöpfung keinen Platz finden.
Was der Gewerbeverein daraus macht
Dirk Hill, 1. Vorsitzender des Gewerbevereins Dietzenbach e. V.:
„Die Umfrage zeigt klar: Das Thema Gewerbeflächen ist für viele Betriebe hochrelevant, und teilweise sehr kurzfristig. Gerade kleinere und mittlere Unternehmen benötigen flexible, bezahlbare Flächen.
Wenn wir wirtschaftlich handlungsfähig bleiben wollen, müssen wir jetzt die richtigen Weichen stellen.“

Der Gewerbeverein bringt diese Ergebnisse in die Gespräche mit Politik, Verwaltung und Wirtschaftsförderung ein. Die Daten liegen auf dem Tisch. Jetzt müssen Entscheidungen folgen.
Fazit: Die Flächen fehlen, der Wille bleibt
Die Umfrage liefert keine überraschenden, aber umso wichtigere Zahlen.
- Dietzenbacher Betriebe wollen in Dietzenbach wachsen.
- Sie suchen keine Riesenhallen, sondern überschaubare Werkstätten und Lager zwischen 250 und 500 m².
- Sie sind bereit, dafür mehr zu bezahlen als im Umland. Und sie erwarten, dass Stadt, Verwaltung und Wirtschaftsförderung ihnen dabei helfen, fündig zu werden.
- 63 % des gemeldeten Bedarfs fällt innerhalb des nächsten Jahres an.
Der Gewerbeverein wird diese Ergebnisse nicht in der Schublade verschwinden lassen. Wir bringen sie in die Gespräche mit Politik und Wirtschaftsförderung und werden nachfragen, welche konkreten Schritte folgen. Denn Umfragen allein schaffen keine Gewerbeflächen.
Wer als Betrieb aktuell auf Flächensuche ist oder Hinweise auf verfügbare Flächen in Dietzenbach hat, kann sich jederzeit beim Gewerbeverein oder der Wirtschaftsförderung melden.



